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Kampagnen

Best-Practise-Beispiele:

Weltweit gibt es erfolgreiche Kampagnen zur Steigerung des Fahrrad- und Fußgängerverkehrs. Im Folgenden werden vier erfolgreiche Kampagnen, die in Deutschland, Dänemark und den USA gestartet wurden, als Best Practise Beispiele vorgestellt.

Radlhauptstadt München

Das Streetcasting "München sucht den Radlstar" fand im Mai 2010 als Teil der Kampagne Radlhauptstadt München statt. Die Kandidaten ließen sich in einem mobilen Fotostudio von Fotograf Daniel Sommer mit ihrem Fahrrad in Szene setzen. Eine Fachjury wählte die besten 20 Bewerber aus, welche auf dem Streetlife-Festival bekannt gegeben wurden. Auf der Homepage der Radlhauptstadt München konnten die Münchner anschließend für ihren Favoriten voten. Der Gewinner erhielt 4000€ und wird das Gesicht der Kampagne im nächsten Jahr.


Nürnberg steigt auf

Mit der neuen Radverkehrskampagne „Nürnberg steigt auf" sollen künftig alle Projekte zur Förderung des Radverkehrs in Nürnberg gebündelt werden. Ziel der städtischen Verkehrspolitik ist, den Anteil des Radverkehrs am gesamten Fahrzeugverkehr deutlich zu steigern. Das Konzept wurde am 16.12.2009 vom Nürnberger Stadtrat einstimmig beschlossen. Das Besondere an der Radverkehrsstrategie ist dabei, dass die geplanten Maßnahmen sehr umfangreich und vielseitig geplant sind. Die Radverkehrsplanung und –förderung ist damit integraler Bestandteil der gesamten Stadt- und Verkehrsplanung und nicht Ziel an sich. Außerdem orientiert sich die Planung nicht am Bestand, sondern stellt eine Angebotsplanung dar.


Odense (Dänemark)

Die Gemeinde Odense hat einen sehr ambitionierten Verkehrsentwicklungsplan verabschiedet. Bestandteil des Plans ist unter anderem das Ziel, den Radverkehrsanteil bis 2020 auf 35 Prozent auszubauen. Odense engagiert sich deshalb langfristig und ausdauernd - um die Verbesserung der fahrradfreundlichen Infrastruktur - doch um noch mehr Autofahrer zum Umstieg zu bewegen, ist der Bedarf für zielgruppengenaue Kampagnen notwendig.Im Zuge dessen wurden zahlreiche Kampagnen zur Verwirklichung des Plans durchgeführt.


WalkBoston

Bei walkBoston handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, der 1990 in Boston mit der Absicht gegründet wurde, das Zufuß-Gehen innerhalb Massachusetts zu fördern und damit das Gemeindeleben und die Gesundheit der Einwohner zu stärken. Dafür sollten bessere Rahmenbedingungen für das Zufuß-Gehen geschaffen werden. Sichere, einfache und angenehme Fußwege machen die Begehbarkeit einer Stadt aus und um diese zu erreichen, wurden vor allem die Bedürfnisse der Fußgänger erkannt und berücksichtigt. Im Zuge der Kampagne wurden zahlreiche Maßnahmen durchgeführt, die die Bedingungen für das Zufuß-Gehen auf Bostons Fußgängerwegen verbessert haben und die Vorzüge des Zufuß-Gehens in den Vordergrund gestellt haben.



Leitlinien zur Erstellung einer Kampagne

Die Ziele, Strategien und Maßnahmen der vier Best Practise Kampagnen wurden im Folgenden zusammen getragen und können als Leitlinie bei der Erstellung einer Kampagne hilfreich sein.

Ziele:

  • Modal Split Anteil von Fahrradfahrern und Fußgängern steigern
  • Verkehrssicherheit erhöhen
  • Rad- und Fußgängerfreundliches Klima schaffen
  • Radverkehr mit ÖPNV verknüpfen
  • Fortbewegung auf zwei Beinen als „Lebensstil“

Strategie:

  • Rad- und Fußverkehrsplanung als integraler Bestandteil der gesamten Stadt- und Verkehrsplanung
  • Angebotsplanung
  • Vorteile der alternativen, umweltfreundlichen Fortbewegungsmittel hervorheben
  • Zielgruppen definieren
  • Beratung / Information der Zielgruppen über Angebote und Maßnahmen

Maßnahmen:

  • öffentliches Fahrradverleihsystem
  • Abstellanlagen
  • Bike & Ride
  • Unterhalt / Winterdienst
  • Radrouting
  • Mobilitätserziehung
  • individuelles Marketing (Info / Beratung)
  • Image- und Marketingkampagne
  • Fahrradzählstellen
  • Wegweisung
  • Service-Points
  • Wettbewerbe = Spaßfaktor Fahrrad
  • Infrastruktur / sonstige Netzelemente
  • Sicherheitsmaßnahmen / -checks
  • farbliche Markierung von Fußgängerüberwegen
  • Beseitigung von Hindernissen auf Bürgersteigen
  • Umgestaltung von gefährlichen Straßenkreuzungen
  • Freiraumverbindungen



Kopf an: Motor aus:

Ein weiteres Beispiel für eine Kampagne zur Steigerung des Fahrrad- und Fußgängerverkehrs ist die Kampagne "Kopf an: Motor aus". Diese Kampagne wurde im Nachhinein evaluiert. Im Folgenden wurde zum Evaluierungsbericht Stellung genommen.

Evaluierungsbericht:

In mehreren Städten Deutschlands hieß es "Kopf an: Motor aus", als 2009 die Kampagne des Bundesumweltministeriums zur Förderung des CO2-freien Verkehrs startete. Dabei wurde ein Budget von 1,2 Millionen Euro in Werbebanner, Events und Kinospots investiert, mit dem Ziel, den Fuß- und Radverkehr zu steigern.

Die "Kopf an"-Kampagne ist überall da, wo auch Autofahrer sind - um sie zum Schmunzeln, zum Nachdenken und zum Umsatteln zu motivieren. Und sie ist auch da, wo wir engagierte Kurzstrecken-Radler und Fußgänger treffen - um sie zu bestätigen und weiter zu motivieren.



Nicht nur das Bundesumweltministerium weiß, dass das Fahrrad auf Kurzstrecken unschlagbar ist und so hat das Ministerium mit starkem Medieneinsatz für selbiges geworben. Werbewirksame Aussagen und Fragen auf Großplakaten, City Light Postern, Brückenbannern oder Werbetafeln in Einkaufswagen sollten auf das Thema "Rad auf Kurzstrecken" aufmerksam machen. Die Plakate zeigten sowohl provokative und humorvolle Motive, als auch solche, die einen Denkanstoß geben. Darüber hinaus wurden Gewinnspiele, Events und Promotionsaktionen gestartet wie z.B. die so genannte Blitzeraktion. Jeder Radfahrer der während der Aktion "geblitzt" wurde, hatte die Chance, einen Preis zu gewinnen. Weitere Infos können der kampagneneigenen Homepage entnommen werden.

Zu "Kopf an: Motor aus" liegen bereits erste Auswertungsergebnisse vor, die zeigen, wie sich die Kampagne auf den Verkehr ausgewirkt hat: Seit dem Start der Kampagne im Jahr 2009 wurden allein in den 4 Modellstädten Bamberg, Halle an der Saale, Dortmund und Karlsruhe in vergleichsweise kurzer Zeit 60 Millionen Pkw - Kilometer eingespart, so das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie (WI). Dabei stützte man sich auf die Aussagen des Forsa Instituts (FI), welches insgesamt 1200 Personen befragte. Der Evaluierungsbericht enthält die vom FI verwendeten Fragebögen. Eine genaue Betrachtung der einzelnen Fragen lässt vermuten, dass die Art und Anordnung der Fragen Einfluss auf das Endergebnis gehabt haben könnten. Um diese Aussage zu stützen, folgen einige Beispiele:

Frage 3 (F3): "Wie häufig sind Sie normalerweise zu Fuß unterwegs? Gemeint sind hier nur Wege, bei denen Sie das Haus mit klarem Ziel und Zweck verlassen, zum Beispiel der Weg zum Einkaufen, ins Kino oder zur Arbeit. Nicht gemeint sind z.B. Spazierengehen oder der Weg zur Mülltonne vor die Haustür. Sind Sie normalerweise mehrmals am Tag, täglich, mehrmals pro Woche, mehrmals im Monat, seltener oder so gut wie nie zu Fuß unterwegs?"

Zuerst ist zu sagen, dass das Interview am Telefon stattfand. Vom Befragten wird die volle Aufmerksamkeit verlangt, da die Frage relativ lang formuliert ist. Vielen Menschen kann an dieser Stelle die Unterscheidung, welche Wege sie mit klarem Ziel und Zweck gehen, durchaus schwierig fallen, ebenso wie oft sie diese gehen und welche Wege dem Fragebogen nach nicht gemeint sind. Ist der Besuch beim Nachbarn beispielsweise nun ein Weg der gemeint ist oder nicht? Der Interviewer versucht hier lediglich die Antworten in Kategorien zu unterteilen, um auswertbare Ergebnisse zu erhalten, jedoch wäre im Rahmen eines Telefoninterviews eine einfachere Fragestellung von Vorteil gewesen. Nachdem der Interviewer sich beim Befragten in den Fragen 1 und 2 erkundigt hat, wie oft er über ein Auto verfügt bzw. wie oft er mit dem Fahrrad unterwegs ist, hat der Befragte bereits einen Eindruck, worum es in der Befragung geht.

In Frage 4 (F4) heißt es dann: "In [STADT] wurde kürzlich Deutschlands erste Kampagne für den Fuß- und Radverkehr mit dem Titel "Kopf an: Motor aus" durchgeführt. Haben Sie in den letzten Wochen irgendetwas von dieser Kampagne gehört oder gesehen?"

Der Befragte hat am Anfang des Telefoninterviews schon einige Hinweise bekommen, worauf der Interviewer hinaus will. Es besteht bei dieser Frage also die Gefahr einer "sozial erwünschten" Handlung seitens des Befragten, also die Beantwortung der Frage mit "Ja" statt einer ehrlichen Meinungsäußerung. Sollte der Befragte mit "Nein" antworten, so kürzt dies das Interview ab, da sich fast alle nachfolgenden Fragen ausschließlich auf die Kampagne selbst beziehen.

In Frage 5 (F5) wird der Interviewte gefragt, was er konkret von der Kampagne gehört hat. Sollte er sich an dieser Stelle an keine genauen Kampagnenelemente erinnern können, so wird dem Befragten in Frage 6 (F6) auf die Sprünge geholfen. Der Interviewer trägt einen 8 Punkte umfassenden Abschnitt mit Maßnahmen vor, die der Befragte evtl. gesehen oder von denen er gehört haben könnte. Die zahlreichen Kategorien und die Länge der einzelnen Stichpunkte könnten bei dem ein oder anderen Befragten das Bedürfnis wecken, die Erwartungen des Interviewers erfüllen zu wollen, indem er positiv auf mehrere Punkte antwortet (auch wenn diese Antwort nicht der Wahrheit entspricht). Im bisherigen Interview konnte der Befragte bereits einige Eindrücke von der Kampagne gewinnen, da er umfassend über Maßnahmen und Aktivitäten (z.B. Plakate mit der Aufschrift: "Liebe Dortmunder, für den Klimaschutz müssen wir das Rad nicht neu erfinden. Nur häufiger nutzen.") informiert wurde.

Darauf folgt in Frage 7 (F7): "Könnten Sie mir bitte kurz in Stichworten sagen, worum es in der Kampagne Ihrer Meinung nach ging."

Fraglich ist, warum diese Frage nicht schon früher gestellt wurde. An dieser Stelle des Interviews hat der Befragte bereits umfassende Informationen zur Kampagne erhalten und kann somit nicht unbeeinflusst antworten.

Im gesamten Interview ist diese Art und Weise der Fragestellung zu finden und der Interviewte wird möglicherweise bei der Beantwortung der Fragen beeinflusst. Folglich wäre das Ergebnis des Interviews verzerrt. Die genannten Beispiele zeigen die Schwierigkeiten, die bei der Erstellung eines Fragebogens im Rahmen einer Evaluierung auftreten können. Die Fragen müssen in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht und so gestellt werden, dass der Befragte keine beeinflussenden Informationen erhält. Letztendlich gibt es den perfekten Fragebogen nicht, da eine Vorahnung, sowie Suggestivantworten des Befragten nie auszuschließen sind.